Der Raser

„Tom, bitte fahr nicht so schnell!“. Wie oft musste ich ihm das schon sagen? Es war ein wunderschöner Spätsommerabend und mittlerweile Nacht geworden. Ich versuchte die Sterne zu zählen, während Tom, wie sonst auch immer, viel zu schnell fuhr.
Es war zwar nur eine kaum befahrene Landstraße, trotzdem hatte ich immer Angst, dass etwas passieren könnte. Vor allem nachdem seine Mutter durch einen Verkehrsunfall starb...
„Schatz, ich fahre immer so schnell. Ist bis jetzt was passiert? - Nein. Mach dir also keine Sorgen!“ antwortete er liebevoll. Und tatsächlich, er konnte mich beruhigen.
Ich sagte eine Zeit lang nichts mehr und versuchte mich auf andere Dinge zu konzentrieren.
Als einige Zeit verging, bemerkte ich plötzlich, dass er anstatt erlaubte 100 km/h, 160km/h
fuhr. Ich bekam Angst und dieses Mal wurde ich sauer: „Tom, ich sage es dir noch ein letztes Mal, fahr verdammt nochmal nicht so schnell!“ Er blickte zu mir rüber und fing an, blöde Antworten zu geben. „Ich fahre doch keine 160 km/h. Du siehst das einfach nur falsch. Ich fahre 150 km/h!“
Als würde es das besser machen. Um mir noch mehr Angst zu machen beschleunigte er und grinste mich an. Ich bekam Panik und versuchte verzweifelt seinen Fuß vom Gas zu nehmen. Er nahm seine Hand vom Lenkrad und wehrte sich. Plötzlich sah ich ein Licht auf uns zukommen und schrie er solle aufpassen. Verzweifelt und voller Panik griff er ans Lenkrad und riss es um. Er fuhr auf einen Baum zu. Ich wusste, was mich erwartete.
Wir krachten mit der Fahrerseite gegen den Baum und ich hörte nur noch das ohrenbetäubende Knallen des Airbags. Ich wurde bewusstlos, nachdem mein Kopf mit voller Wucht gegen den Airbag krachte und wachte erst im Krankenhaus auf.
Als ich aufwachte, fragte ich meine Mutter, die neben meinem Krankenbett saß, wo Tom sei.
„Er hat es nicht überlebt...“, sagte sie. Stille füllte den Raum. Niemand von uns beiden sprach ein Wort. Wie soll ich so weiterleben? Ich habe es ihm so oft gesagt.