Die blitzartige Erinnerung

Und schon wieder lese ich in der Zeitung „Autounfall sorgt für Stau auf Autobahn“, während ich gerade den letzten Schluck meines Tees nehme und damit die übergebliebenen Stücke meines Brotes in meinem Mund runterspüle. Heutzutage hört man sehr viel über Verkehrsunfälle; vor allem sind davon immer öfter jüngere Verkehrsteilnehmer betroffen. Plötzlich kommt meine Mutter rein und sagt: „Ich seh’s, du hast es also auch schon gelesen. Das kann doch echt nicht wahr sein… so viele Menschen kommen während des Autofahrens ums Leben. Schlagzeile für Schlagzeile.“ Ich schaue sie ganz entsetzt an, weil sie mich total erschrocken hat. Zögernd antworte ich: „Ja Mama,…das stimmt schon…“ Und schon ist das Gespräch vorbei und ich mache mich auf ins Badezimmer. Ich putze meine Zähne, kämme meine Haare, ziehe mich an und gehe los. Handy an, Kopfhörer auf und auf geht’s. Auf dem gesamten Weg, aber auch über die Zeit in der Schule, ging mir dieser Gedanke an die ganzen Unfälle nicht aus dem Kopf. Und plötzlich schießt mir eine Erinnerung in den Kopf. MEIN ONKEL! Der übrigens auch einmal einen schweren Motorradunfall vor circa 8 Jahren hatte. Das aber nur nebensächlich, denn die Erinnerung…

Ich war sehr jung, als ich mit meinem Onkel auf dem Nachhauseweg von Hannover nach Bielefeld war…Es war circa 4 Jahre nach seinem Motorradunfall passiert. Inzwischen war ich auch schon wieder auf dem Nachhauseweg von der Schule. Wieder mit Kopfhörern und ebenfalls lauter Musik. Auf jeden Fall…mein Onkel und ich waren auf dem Nachhauseweg. Es war mitten in der Nacht, dem nach war es natürlich auch dunkel. Er fuhr sehr, sehr schnell und beachtete die Straße nicht. Dabei fuhr er manchmal noch in Form einer Schlange. Erst heute realisiere ich, wie gefährlich es damals eigentlich war und was hätte alles passieren können. Er hatte mir damals gesagt, dass ich meinen Eltern davon nichts erzählen sollte…Ich hab es damals mit diesem jungen Alter als Spaß gesehen und konnte den Ernst der Lage dahinter nicht verstehen. Außerdem erzählt man als Kind immer die Wahrheit. Natürlich habe ich es meinen Eltern damals erzählt; was ich da erlebt hatte. Ich habe das Ganze früher auch überhaupt nicht als schlimm wahrgenommen. Aus dem Grund habe ich mich auch gefragt, warum ich meinen Eltern davon nichts erzählen sollte. Heute bin ich 17 Jahre alt und ich weiß genau, warum ich ihnen dieses „Geheimnis“ damals nichts erzählen sollte. Ich habe aber auch nicht mitbekommen, ob meine Eltern mit meinem Onkel gesprochen haben. Ich konnte nicht einmal wahrnehmen, ob meine Eltern zu dem Zeitpunkt verärgert und wütend waren, als ich ihnen dieses „Geheimnis“ erzählen sollte.

Aber ich war sehr verärgert und wütend. Ich war meinem Onkel damals völlig ausgesetzt. Ich als Kind konnte nicht wirklich verstehen was er da macht; geschweige denn, ihn beeinflussen. Wenn ich heute daran denke, finde ich es sehr verantwortungslos und leichtsinnig sowas zu tun. Noch schlimmer, wenn man ein Kind dabei hat. Wie ich erzählte, hatte er davor schon einmal eine schweren Motorradunfall und heute frage ich mich, ob er nicht eigentlich vorsichtiger als andere Verkehrsteilnehmer fahren sollte. Ich bin, glaube ich, danach nie wieder mit ihm gefahren. Wozu ich sagen muss, dass ich heute auch keinen regelmäßigen und eher seltenen Kontakt zu meinem Onkel habe. Ich muss ehrlich sagen: Ich würde auch nicht mehr mit ihm fahren. Es klingt vielleicht übertrieben, aber ich fühle mich mit ihm nicht sicher. Also höre ich lieber auf mein Gefühl und fahre nicht mehr mit ihm mit!